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Die Koordinatorin der großen Recycling-Schule

by Frank Behrendt

Dr. Alexandra Ranzinger steuert eine Allianz aus Wettbewerbern und deren Informationskampagne „Mülltrennung wirkt.“ Hier erklärt die Top-Managerin, wie man mit diplomatischem Geschick unterschiedliche Interessen unter einen Hut bringt und Menschen dazu bringt, das Richtige zu tun

Dieser Artikel ist auch verfügbar in Englisch

Wer Alexandra Ranzinger trifft, begegnet Power pur. „Sie hat einen starken Zug zum Tor“, würde ein Sportreporter sagen. Sie hört zu, verarbeitet blitzschnell, strukturiert, leitet Entscheidungen ein. Mit genauso viel Entschlossenheit wie Charme. Sie hat früh gelernt, sich in tradierten Strukturen zu behaupten, Organisationen aufzubauen und Prozesse zu optimieren. Promoviert hat sie einst über „Erfolgsfaktoren in der Gastronomie“, baute später das Partnermanagement bei PAYBACK auf und war bis 2009 CEO des Bertelsmann-Unternehmens „DeutschlandCard“. Seitdem ist sie ihre eigene Chefin, in ihrer Beratung „workinghead“. Gemeinsam mit ihrem Team hilft sie Klienten, Projekte erfolgreich voranzubringen. Unter anderem dem Bündnis aus zehn Recyclingunternehmen, den „dualen Systemen“, die sich zusammengeschlossen haben, um Verbraucher*innen über das richtige Trennen gebrauchter Verpackungen zu informieren. „Mülltrennung wirkt“ heißt die Kampagne, die dank des straffen Projektmanagements von Alexandra Ranzinger überall in Deutschland zu sehen ist. Unser Gastautor Frank Behrendt hat die inspirierende Frau zum Gespräch getroffen:

Frank Behrendt: Frau Ranzinger, hätten sie sich früher vorstellen können, dass Sie mal ganz Deutschland beibringen, wie man Verpackungen richtig entsorgt?

Alexandra Ranzinger: (lacht) Ich habe mir schon als kleines Mädchen vieles vorstellen können. An Mülltrennung habe ich allerdings wirklich nicht gedacht, aber ich fand es immer schon extrem spannend, komplexe Sachverhalte zu vereinfachen.

Sie tummeln sich schon lange in Branchen, die nicht unbedingt dafür bekannt sind, dass sie besonders female sind. Waren Sie nicht oft eine Exotin in tradierten männlichen Strukturen?

In der Tat war ich oft die einzige Frau in so mancher Runde, aber damit hatte ich selbst nie ein Problem. Ich hatte immer schon ein ganz gutes Selbstbewusstsein, war stets der Ansicht, dass es um die Sache geht und nicht um Geschlechter. Das Erstaunen über mich gab es eher bei manchen Meeting-Teilnehmern als sie feststellten, dass ich nicht fürs Protokoll oder den Kaffeeservice zuständig war. Mittlerweile sind wir da zum Glück schon vorangekommen, ich treffe auch auf Seiten des Handels und in der Recyclingwirtschaft immer mehr Frauen.

Sie koordinieren eine Allianz von Recyclingunternehmen, die eigentlich Wettbewerber sind. Was muss man als Steuerungsinstanz mitbringen, um in diesem Kreis zu einem Konsens zu kommen?

Alle eint zunächst das gemeinsame große Ziel: Die vom Gesetzgeber im Verpackungsgesetz vorgeschriebenen Recyclingquoten zu erreichen. Es ist aber hilfreich, über diplomatisches Geschick zu verfügen. Auch die Fähigkeit, sich in jeden einzelnen der Partner hineinzudenken, seine Position zu verstehen, ist wichtig. Ich vergleiche es gerne mit der Arbeit in einer Parteien-Koalition in der Politik, wenn dort um eine tragfähige Lösung gerungen wird. Mein Job ist es, akzeptable Vorschläge zu machen, mit denen dann alle leben können.

Wäre denn die Politik was für Sie?

Dafür wäre ich zu ungeduldig. Ich bin jemand, der Ergebnisse sehen möchte und das möglichst zügig. Eine Bank hatte mal den Slogan „leading to results“, damit kann ich mich ganz gut identifizieren.

Die Kampagne der dualen Systeme steht unter dem Motto „Mülltrennung wirkt.“ Merken Sie auch, dass die Kampagne wirkt?

Wir bekommen sehr viel positives Feedback, checken kontinuierlich den Erfolg der Kampagne. Die auffällige Optik der Motive sorgt für Aufmerksamkeit, die knackigen Botschaften zünden. Zudem haben wir kürzlich mit dem Discounter „Netto“ den ersten Handelspartner dafür begeistern können, die Kampagne in seinen Märkten zu präsentieren. Das ist für uns ein ganz wichtiges Signal, denn am Point of Sale sensibilisieren wir die Verbraucher*innen direkt an dem Ort, an dem sie verpackte Produkte auch erwerben.

Meine kleine Tochter Holly ermahnt ihre Oma immer, den Aludeckel vom Plastik-Joghurtbecher zu lösen, weil es zwei verschiedene Wertstoffe sind, die nur so richtig recycelt werden können. Erleben Sie bei den jungen Leuten eine höhere Bereitschaft sich für den Klimaschutz zu engagieren?

(lacht) Ihre Tochter stellen wir direkt ein, sie ist eine vorbildliche Mülltrennungs-Botschafterin! Wir wissen aus Untersuchungen, dass wir in allen Altersgruppen einen hohen Informationsbedarf haben. Die meisten Deutschen würden gerne einen größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten, wenn sie besser wüssten, wie sie es machen sollen. Dieses Wissen auszubauen ist unsere Mission und dafür bin ich gerne weiterhin Koordinatorin in der großen Recycling-Schule.

Frank Behrendt ist Senior Advisor bei Deutschlands größter Inhabergeführter Agenturgruppe Serviceplan und ist Experte für Content Marketing. Davor war der gelernte Journalist in leitenden Funktionen bei RTL, KetchumPleon und fischerAppelt tätig. Frank Behrendt hat sich zudem als erfolgreicher Ratgeber-Autor einen Namen gemacht („Liebe dein Leben und NICHT deinen Job“, „Liebe dein Leben und NICHT deinen Job“). In seinem neuesten Buch „Von Kindern lernen“, das er gemeinsam mit dem Psychologen Dr. Bertold Ulsamer geschrieben hat, beschreibt er, wie uns kindliche Perspektiven gelassener, glücklicher und erfolgreicher machen. Frank Behrendt ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Köln.

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