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A Day in the Life: Natascha Zeljko (Corona Special)

by Natascha Zeljko

Habt ihr euch gewundert, was aus der Serie „A Day in The Life“ wurde? Nun ja, auch da ist Corona dazwischengekommen. Die letzte („normale“) Folge hat die großartige Valerie Mocker geliefert. Unser Leben hat sich seitdem um 180 Grad gedreht. Deshalb an dieser Stelle ein Special: „A Day in the Corona Life“ von unserer Editor-in-Chief Natascha Zeljko

Dieser Artikel ist auch verfügbar in Englisch


07.00 – 08.00
Aufstehen, Duschen, mit dem Hund rausgehen. Die Jeans von gestern, vorgestern und vorvorgestern anziehen, weil: Zoom doesn‘t care.


08.00 – 09.00
Mails checken, Google Analytics checken, neue Corona Infektions-Zahlen checken (damn, still high), Kalender checken (damn, still overloaded). Schnell schminken vor wichtigen Zoom-Calls. Hund wird misstrauisch, weil Make-up bedeutete in Vor-Corona-Zeiten: Haus verlassen. Hund verwirrt, aber erfreut, dass man nur zum Schreibtisch dackelt.


09.00 – 09.30
Erster Check-in Call mit Team. Aufgaben und ToDos besprechen.


09.30– 10.00
Erster Zoom-Call. Dabei das komplette Phrasen-Repertoire raushauen von „Hörst du mich“ bis „Du warst gerade eingefroren“. Was natürlich trivial ist. Bitte trotzdem weiterlesen. Denn, was wir eigentlich sagen wollen: „Ich kann mich selbst nicht mehr hören.“ Und: „Ich fühle mich gerade sozial eingefroren.“


11.00 – 12.00
An Artikeln arbeiten, Social-Media-Posts vorbereiten. Redaktionspläne machen. Sich zwischendurch dabei erwischen, wie man Pläne für das Leben nach Corona schmiedet. Sich vornehmen, als allererstes eine große Party zu schmeißen und durchzufeiern wie so ein Partytier, obwohl man sich vor Corona auf nichts so sehr gefreut hat wie das Sofa und Netflix.


12.00 – 13.00
Im dritten Zoom-Call. Seit man im Homeoffice sitzt, scheint es für viele keine Mittagspause mehr zu geben. Was immer verfügbar ist (theoretisch), existiert nicht. Ein Paradoxon à la Schrödingers Katze. Ihr kennt das.


13.00 – 14.00
Quick late lunch. Take away. Schon wieder zu beschäftigt (in Wahrheit: zu faul), um selbst zu kochen.


14.00 – 15.00
Die Eltern rufen an.
„Was machst du?“

„Arbeiten.“

„Ach so.“

„Ja klar.“

„Wie läuft das Geschäft?“

„Können wir später sprechen?“

„Wann denn?“

„Heute abend“

„Aber du bist doch zu Hause“

Aus Frust den Ordner mit den Urlaubsbildern öffnen (Korsika 2014). Gegen ein paar Tränen und sehr schlechte Laune ankämpfen. Make-up nachlegen. Ab in den nächsten Call.


15.00 – 16.00
Im Call. Oder so ähnlich. WLAN wackelt. Auf statischen Bildschirm starren. Maus hektisch bewegen (Wieder die irre Idee haben, per Mouseover die Menschen zu Leben zu erwecken.) WLAN gibt ganz auf. Nochmal einwählen. Mit 15 Minuten Verzögerung den Call doch noch beginnen. Dabei drei Mal von Paketboten (für die Nachbarn) unterbrochen werden.


16.00 – 17.00
Angebote schreiben. Mails checken. Newsletter lesen. Tee kochen. Dabei feststellen, dass man gar keine Lust hat, noch einen Tee zu trinken. Trotzdem Tee kochen. Weil auf der Tasse frei nach Churchill „Stay Calm and Drink Tea“ steht. Also: Carry on.


17.00 – 18.00
Letzte Besprechung mit Team. Calls sind durch, die Paketboten weg, WLAN auch wieder, aber das ist jetzt egal. Endlich in Ruhe ein paar Konzepte schreiben. Dabei auf die halbvolle Tüte Chips linsen und überlegen, ob das mit einem Glas Rotwein jetzt schon eine okaye Idee ist, weil Corona andere Regeln.


19.00 – 20.30
Tüte Chips ist leer. Rotwein Nummer 2 in Arbeit. Arbeit ist für heute erledigt (in Wahrheit wird man natürlich nie fertig). Aber let’s call it a day.


20.30 – 22.00
Abendessen mit Hubby. Netflixschauen mit dem Hund. Nur noch ein paar Tweets vor dem Einschlafen lesen. Nicht einschlafen können. Noch mehr Tweets lesen. Mit Hubby über Handynutzung im Bett streiten. Handy weglegen, heimlich wieder anschalten. Ein paar Tweets lesen. Waaaas, schon 0:45 Uhr????

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