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Final Call: Let’s go digital!

Aus der DDR geflohen, mit einem Flugtaxi die Welt bereist, ein innovatives Unternehmen gegründet. Die spannenden Life Lessons von Melanie Stütz sind zugleich ein Appell, die digitale Transformation endlich ernst zu nehmen

Dieser Artikel ist auch verfügbar in Englisch

Wir flüchteten am 3. Oktober 1989 über die Prager Botschaft, kurz nachdem Genscher seine berühmte Rede auf dem Balkon gehalten hatte. Wie prägt einen so ein existentielles Erlebnis? Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der USA, Naturwissenschaftler und Erfinder hat es ganz gut auf dem Punkt gebracht: „Wer bereit ist, eine fundamentale Freiheit aufzugeben, um eine kurzfristige kleine Sicherheit zu erlangen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit.“ Meine Eltern dachten langfristig und vorausschauend. In der DDR konnten nur 10 % eines Jahrgangs Abitur machen und dafür war die politische Einstellung auch ein Kriterium. Meine Eltern wollten nicht nur, dass ich Abitur mache, sondern genauso die Freiheit habe, die Welt zu bereisen, auch westwärts. Ihr Traum war es immer, selbstständig im eigenen Unternehmen zu arbeiten. Sie fingen mit ihrer Flucht in den Westen wieder bei null an, um auch mir den Weg für ein Leben in Freiheit zu ebnen. Und am Ende gewannen sie beides, Freiheit und Sicherheit.

Alles ist in Bewegung und nichts währt ewig. „Alles fließt“ nannte es der griechische Philosoph Heraklit. Leben ist Veränderung. Und die erste Grenze, die ich als kleines Mädchen mit der Flucht physisch überschritten habe, existiert heute nicht mehr – zum Glück. Oft sind Grenzen ja auch psychischer Natur, sie beginnen im Kopf. Manche Menschen setzen sich selbst Grenzen oder lassen sich von anderen einreden, dass sie dieses oder jenes nicht können, und das müssen nicht immer nur Regime sein.

Ich bin ein sehr neugieriger Mensch und suche die Herausforderung. Beispielsweise wählte ich bei meiner Abiturprüfung nicht etwa die Aufgabe, die wir im Unterricht bereits durchgegangen waren. Dazu kannte ich ja schon alle Antworten. Nein, ich wollte wissen, was bei der anderen Aufgabe herauskommt. Es lohnte sich, nicht nur notentechnisch. Viel entscheidender waren die neuen Erkenntnisse, die ich daraus gewann.

The Sky is the limit

Das Über-Grenzen-Gehen ist so etwas wie das Leitmotiv meines Lebens geworden. Für das erste gemeinsame berufliche Projekt „Weltflug“ gründeten mein Mann Andreas Stütz und ich die cross-frontier GmbH. Wir beschlossen mit einem „Flugauto“ in 18 Monaten über fünf Kontinente zu fliegen. Das Ganze war inspiriert von unseren Kindheitsträumen. Andreas verschlang als kleiner Junge die Verfilmung des Kinderbuchklassikers „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ und war sich schon mit fünf sicher: Er wird irgendwann mit so einem Fliewatüüt oder Flugauto auf Reisen gehen. Mein Kindheitstraum war es übrigens, Kosmonautin zu werden. Für mich ging es bisher zwar noch nicht in den Weltraum, doch durch den Weltflug bin ich dem schon etwas nähergekommen.

Eine Weltreise mit Fliewatüüt hatte zuvor noch niemand gemacht und viele hielten es für nicht durchführbar. Doch dadurch, dass wir vorher über unser Konzept nachdachten und uns Schritt für Schritt dieser Herausforderung stellten, schafften wir erst erfolgreich die Etappen in Europa und Afrika. Damit konnten wir zahlreiche Unterstützer wie den Hersteller und Weltmarktführer der realen Fliewatüüts als Sponsor für den weiteren Weltflug in Australien, Neuseeland, USA und Südamerika gewinnen und das Unmögliche wurde möglich.

Auch wenn ein Traum oder Ziel noch so verrückt oder unmöglich scheint, heißt es noch lange nicht, dass es nicht doch möglich ist. Von daher, Learning #1: Das Unmögliche ist oft sehr möglich, wenn man mehr nachdenkt. Das war auch die Botschaft, die uns Karl-Heinz Johannsmeier, ein Geschäftspartner von Andreas während eines Interviews zu Weltflug.tv gab. Er kennt sich aus mit scheinbar aussichtslosen Situationen. Nach seinem ersten Fluchtversuch aus der DDR landete er im Stasigefängnis, heute lebt er, inzwischen mehrfacher Millionär, in San Francisco. Aus unserem Kindheitstraum ist ein internationales Medienprojekt und eine Co-Produktion mit der ARD geworden. Das Fliewatüüt heißt in Wirklichkeit Gyrocopter und ist ein Mini-Helikopter. In Kooperation mit der Kinderhilfe „terre des hommes“ interviewten wir Kinder weltweit zu ihren Träumen. Ein Teil der Erlöse aus Buch und Film über „Weltflug.tv – Die Weltreise mit Tragschrauber“ floss an Bildungsprojekte für die Kids zurück, damit auch ihre Träume wahr werden. Bildung ist dafür ein essenzieller Schlüssel und unsere Botschaft an die Kinder ist, dass sie alles lernen und schaffen können. Das bringt uns zu Learning #2: Lernen ist der Weg zur Erfüllung deiner Träume. Denn wir hatten vor dem Medienprojekt selbst noch nie ein Buch geschrieben oder einen Film gemacht, geschweige denn sind wir selbst geflogen. Doch wir haben alles erlernt, was wir dazu benötigten und die Pilotenlizenz war da nur der Anfang.

Was man von Piloten für Business lernen kann

Als Pilot erlebt man Höhen und Tiefen – im wahrsten Sinne des Wortes. Viele fragten uns, ob wir nicht Angst hätten. Es gibt aus unserer Sicht zwei Arten von Angst. Die eine ist eher abstrakt und kann lähmen, z.B. vor Kriegen, Terror, Natur- oder Umweltkatastrophen. Die andere Angst ist jene vor konkreter Gefahr, wie im Straßenverkehr, die einen wachsam sein lässt. Man sollte sich durch die erste Angst nicht einschüchtern lassen und die Vorsicht nutzen, um Risiken so gering wie möglich zu halten. Und das gilt nicht nur zu Zeiten von Wirtschaftskrisen oder Pandemien. Learning #3: Keine Angst, aber Vorsicht!

Im Rückblick betrachtet gibt es viele Parallelen zwischen Piloten und Unternehmern. Als Piloten haben wir schnell lernen müssen, dass es wichtig ist, sich ein Ziel fest vorzunehmen – sprich, man sollte wissen, wohin man fliegt –, aber den Weg dahin flexibel halten. Denn manchmal läuft nicht alles nach Plan. Da kann man noch so oft Wetterdaten einholen, am Ende ist es dann manchmal sicherer erst einmal am Boden zu bleiben, auch wenn das länger dauern kann. Somit Learning #4: Fest im Ziel, flexibel im Weg!

Während unserer Pilotenausbildung achtete unser Fluglehrer immer peinlichst darauf, dass wir den Vorflugcheck vor jedem Flug durchgehen. Das ist wichtig, denn nur so konnten wir auch sicher gehen, dass alles funktioniert. Oder auch feststellen, wenn eine Schraube noch nachjustiert werden sollte. Wenn man das erst während des Flugs bemerkt, kann das das Leben kosten.

Der Vorflugcheck für neue Geschäftsmodelle

Andreas hat bereits mehrere Firmen gegründet und u.a. den Startup Award von McKinsey gewonnen, der ihm von Angela Merkel überreicht wurde. Ich selbst bin in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen. Wir beide haben uns schon immer gefragt, wieso manche Firmen erfolgreicher sind als andere. Die Antwort darauf ist der IDEASCANNER. Wie der Name vermuten lässt, kann man damit Geschäftsideen scannen. Ursprünglich entwickelten wir ihn für uns selbst als Vorflugcheck für neue Geschäftsmodelle.

Während unserer Validierung mit Venture Capitalists (VCs) stellten wir fest, dass ein hoher IDEASCANNER Score zu 90% mit dem Erfolg von Start-ups aus ihrem Portfolio korrelierte. Dadurch wurde uns klar, dass wir mit IDEASCANNER ein einzigartiges Werkzeug entwickelt hatten und wir beschlossen es einzusetzen, um auch anderen Unternehmen zu helfen. Wir nutzen für den IDEASCANNER künstliche Intelligenz, um den Wert von Unternehmen zu steigern. So zeigt er neben der Einschätzung der Idee, dem Score, auch an, an welchen Stellschrauben im aktuellen Geschäftsmodell nachjustiert werden sollte. Dadurch können wir zusammen mit unseren Kunden einen strukturierten und detaillierten Aktionsplan für ihre erfolgreiche digitale Transformation kostengünstiger und 10-mal schneller erstellen als üblich.

Derzeit scheint auf einmal plötzlich möglich, was viele bisher für unmöglich hielten, wie das Arbeiten von zu Hause aus oder Konferenzen auch digital durchzuführen. Es scheint möglich zu sein, nicht jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit stundenlang im Stau zu stehen. Es scheint nicht nur uns gut zu tun, zu überlegen, ob man für ein Meeting wirklich immer vor Ort sein muss. Und siehe da, es geht. Das Unmögliche ist plötzlich doch möglich.

Homeoffice: Effizienter, konzentrierter, nachhaltiger

Eine zweijährige Studie aus Stanford zeigte bereits 2018 an einem Beispiel in Shanghai, dass die Produktivität im Homeoffice signifikant steigt. Das hat vor allem mit der geringeren Ablenkung der Mitarbeiter zu tun. Die Angestellten im Homeoffice legten zudem kürzere Pausen ein, fielen seltener wegen Krankheit aus und nahmen sich weniger frei. Dazu kommt, dass durch den sinkenden Verkehr Emissionen reduziert wurden, gleichzeitig sparte eine Firma monatlich über 2.000 Dollar pro Arbeitnehmer, da der teure Büroplatz in Shanghai unbesetzt blieb.

Im Zeitalter der Digitalisierung können wir gemeinsam bisher wahrgenommene Grenzen überschreiten. Wir können selbst etwas für uns, die Umwelt und die nächste Generation von Unternehmen tun. Es gilt, sich von alten Denkmustern zu befreien. Es gilt, den Status Quo zu hinterfragen. Für manche ist es essentieller denn je das aktuelle Geschäftsmodell auf den Prüfstand zu stellen, die eine oder andere Stellschraube nachzujustieren oder aber sich komplett neu zu erfinden. Dabei helfen wir. Und mein Wunsch aktuell ist es, dass viele die Krise als Chance begreifen können und das aktuell Mögliche auch in Zukunft fortzusetzen und weiterzuentwickeln.

Denn zum Leben und Arbeiten brauchen wir doch eigentlich gar nicht so viel. Die Tools stehen uns zur Verfügung. Lasst uns die alten Muster durch neue Gewohnheiten überwinden, die digitalen Tools auch weiterhin nutzen und agil mit leichtem Gepäck in eine digitale Zukunft starten. Learning #5: Loslassen befreit. So, let’s go digital. It is our final call to be ready for takeoff.

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