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17 einhalb Fragen mit Dr. Sabine Hückmann

Regelmäßig stellen wir inspirierenden Menschen 17,5 Fragen. Diese Woche Dr. Sabine Hückmann, CEO von Ketchum Germany. Sie verrät, was sie an PR begeistert, warum sie gerne eine Cold-Cases-Unit aufbauen würde und was sie mit dem Krimiautor Don Winslow verbindet

Dieser Artikel ist auch verfügbar in Englisch

1. Was mich an meinem Job begeistert

Dass ich keinen Tag dümmer beschließe, als ich ihn angefangen habe. Als Agenturmensch hat man das Privileg, in viele verschiedene Unternehmen und Institutionen, ihre Produkte und Strategien, ihre Geschäftsmodelle und Kulturen, blicken zu dürfen. Ich schmore also nie im eigenen Saft. Das macht mich anschlussfähiger an viele Diskussionen und hilft mir, eine fundiertere Position zu ebenso vielen Fragen des Lebens zu beziehen.

2. Was mich daran manchmal frustriert

Ich muss leider immer noch erklären, dass PR nicht für Presse- und Medienarbeit steht, auch nicht für „Earned Media“. Und dass Kommunikation integral wertschöpfend sein und damit einen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten kann – sogar einen messbaren. Wenn man sie lässt. Und sie nicht betrachtet als eine den unternehmerischen Entscheidungen nachgelagerte Verkündigungsmaschinerie. Kommunikation braucht endlich einen festen Platz am Entscheidungstisch. Gerade jetzt, wo viele Geschäftsmodelle zur Disposition stehen.

3. Liebster heimlicher Alternativ-Job

„Der Fall des Baumeisters“ von Peter Ackroyd verfilmen. Ich sehe die Bilder geradezu vor meinem Auge! Aber er hat sich geweigert, mir die Filmrechte zu verkaufen. Oder eine interdisziplinäre Cold Case Unit aufzumachen. Ich bin ein großer Freund von Rekombinationsstrategien. Daher würde es mich sehr interessieren, was dabei herauskommt, wenn sich nicht kriminalistisch ausgebildete Menschen Fallakten ansehen. Worauf achten sie? Wo stellen sie vielleicht ganz neue Zusammenhänge her? Was können Kriminalist*innen von Kommunikator*innen, von Konditor*innen oder von Kaufleuten lernen?

4. Beste Strategie, um einen richtig schlechten Tag im Büro zu überleben

In Zeiten des Homeoffice: Einmal um den Block rennen oder eine Maschine Wäsche waschen. Puddingschnecken und Kaffee sind auch immer gut.

5. Wann bist du im berühmten Flow

Entweder wenn ich mich voll und ganz auf eine Sache konzentrieren und ganz allein vor mich hin werkeln kann. Oder – das krasse Gegenteil – wenn ich gemeinsam mit Menschen an etwas arbeiten darf, so dass jede Person ihre Stärken einbringen kann. Ich bin zum Beispiel viel besser im Sortieren und Strukturieren als in einem Kreativprozess, liebe es aber mit kreativen Menschen zusammenzuarbeiten, die ihre großartigen Ideen nicht so gut sortieren können. Bei solchen perfekten Matches bin ich dann total im Flow. Und die anderen auch.

6. Größter Erfolg bisher

Professionell betrachtet war die kommunikative Begleitung der Castor-Transporte unseres Kunden EnBW eines der Highlights meiner bisherigen Laufbahn: Wer zum Thema Kernkraft kommuniziert, muss nicht um Aufmerksamkeit kämpfen. Und wenn es um Castor-Transporte geht, ist eine kritische Begleitung garantiert. Erst recht, wenn der Transport erstmals zum ersten Mal auf einem deutschen Binnengewässer stattfinden sollen. Die EnBW konnte für fünf solcher Transporte mit kontinuierlicher Prozesskommunikation über mehrere Jahre hinweg Vertrauen in der Bevölkerung und bei den wichtigsten Stakeholdern aufbauen. Auf diese Weise schuf sie Akzeptanz für ein Vorhaben, das es in dieser Form in Deutschland zuvor noch nie gegeben hatte.

Persönlich-zwischenmenschlich: Meine Familie.

7. Die größte Niederlage

O weh, da gibt es viele. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, sie in eine Reihenfolge zu bringen.

8. Schlimmstes Buzzword

Ich kann mich nicht entscheiden zwischen „mühelos“ und „Genussmoment“, und wenn Sätze englischsprachiger Mitmenschen mit „Look, …“ anfangen, kommt selten etwas Wertschätzendes darin vor.

9. Die beste Belohnung nach einer anstrengenden Arbeitswoche

Meine „Nothing Box“, mein Platz, an dem ich einfach nichts tue.

10. Lieber Homeoffice oder Inhouse

Sehr gerne beide Möglichkeiten, wenn es sie denn wieder gibt. Im Moment zu 100% Homeoffice.

11.  Wichtigste Eigenschaft, die ein Kollege/Geschäftspartner haben muss

Ich muss mit meinen Mitmenschen auch lachen können, selbst im größten Schlamassel. Und wenn mich meine Mitmenschen auch dann ertragen können, wenn ich überfordert bin, dann ist das alles, was ich mir wünschen kann.

12. Dein Kreativ-Hack

Wenn ein Problemfeld einen gewissen Komplexitätsgrad erreicht hat, verliert man oft das Ziel aus den Augen, das man mit der Lösung des Problems erreichen will. Ich parke dann das Problemfeld nebst dessen Unter- und Nebenproblemen ganz bewusst weit hinten im Kopf und visualisiere das Ziel. Dann drehen sich die Gedanken auch nicht mehr im Kreis. Und dann gehe ich schlafen. Es passiert dann ganz oft im Laufe der Folgetage, dass ich plötzlich eine Erleuchtung habe, wie ich dem Ziel wieder einen Schritt näherkommen kann, ohne dass ich die ganze Zeit bewusst an der Problemlösung gearbeitet hätte. Das ist ein ganz großartiges Gefühl, wenn das funktioniert.

13. Erste Internetseite morgens

Zurzeit habe ich neben Twitter immer das RKI und das Corona-Virus Resource Center der Johns-Hopkins-Universität offen.

14. Lieblings Digital Tool

Mein Kindle. Ich stelle einfach die Schriftgröße passend ein und schon brauche ich zum Lesen keine Brille mehr. Und wenn es mal wieder spannend wird und ich kein Ende finde beim Lesen, stört die eingebaute Display-Beleuchtung meinen Mann auch nicht beim Schlafen.

15. In welchem Buch oder in welcher Serie am meisten fürs (Arbeits-)Leben gelernt?

Darüber musste ich jetzt lange nachdenken. Über Geopolitik und die Mechaniken von und in Hierarchien habe ich viel aus der so genannten Kartell-Saga von Don Winslow gelernt (Tage der Toten, Das Kartell, Jahre des Jägers). Star Wars oder die Geschichten aus dem Marvel-Universum sind Lehrstücke in Sachen Storytelling. Ohne Simon Sinek geht eh nichts in meiner Profession.

16. Unabhängig davon: Welche Serie, welches Buch oder welchen Podcast kannst du grundsätzlich empfehlen?

„Büro der Legenden“, großartige und leider viel zu wenig beachtete französische Serie über den französischen Auslandsgeheimdienst. Das war übrigens eine Empfehlung meiner Kollegin Simone Hoch. Ihren Film- oder Serienempfehlungen kann ich blind folgen. Eines meiner belletristischen Lieblingsbücher aller Zeiten ist „Der Fall des Baumeisters“ von Peter Ackroyd (siehe Frage Nr. 3). Das Corona-Virus Update des NDR mit Christian Drosten und Sandra Ciesek ist meines Erachtens das „Must Hear“ für alle Freunde der Wissenschaft in Sachen Podcast.

17. Prominentester Follower auf einem Social Kanal?

Eindeutig Don Winslow (@donwinslow) auf Twitter, Bestseller-Autor fesselnder und auch lehrreicher Kriminalliteratur, nahe an „Faction“ und eher für Fans von hard-boiled plots (wer ihn nicht kennt, siehe Frage 15 😊).

17 and a half: Was mich schon immer…

…fasziniert hat: Bärtierchen. Ich liebe diese Überlebenskünstler. Die sind im vergangenen Jahr sogar auf dem Mond gelandet. Mal sehen, ob man sie 1) wiederfindet und sie 2) aus ihrer Kryptobiose wiedererwecken kann.

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